Lieber Markus, als Präsident des Schachbundesliga e.V. hast Du mit großem Engagement dazu beigetragen, dass die diesjährige Endrunde vom 28. April bis zum 1. Mai 2018 wieder in der deutschen Hauptstadt ausgetragen werden kann. Ist eine solche Entscheidung ein „Selbstläufer“ gewesen oder waren hier Widerstände zu überwinden?

Markus Schäfer: Ein Lob für herausragendes Engagement hat vor allem der ausrichtende Verein verdient, also die Schachfreunde Berlin 1903 e.V.. Die Endrunde 2017 in Berlin hat großen Anklang gefunden, und die Vereine der 1. Schach-Bundesliga haben die Neuauflage in 2018 sehr begrüßt. Die 16 Vereine sind im Schachbundesliga e.V. organisiert, der unter anderem über den Spielbetrieb der Liga und damit eben auch über die Austragung von zentralen Runden entscheidet. Mein Eindruck ist, dass sich die Akteure und Verantwortlichen in den Vereinen schon sehr auf die Endrunde freuen. Diese Veranstaltung ist echte Werbung für Schach!

Die Frauenbundesliga hat sich für 2018 dann aber auch anders entschieden und ist dem Berliner Angebot einer (wie schon 2017) gemeinsam gespielten zentralen Endrunde in diesem Jahr nicht näher getreten. Gibt es zwischen den Ligaverantwortlichen hierzu Gespräche und wie ist Deine Prognose? Wird es in der Zukunft wieder ein gemeinsames Zusammentreffen der beiden höchsten deutschen Ligen im Schach geben? Gibt es Pläne und Beschlüsse über die Verfestigung zentraler Bundesligarunden in den nächsten Jahren?

Markus Schäfer: Beschlossen ist eine weitere zentrale Runde in Berlin vom 28. Februar - 3. März 2019, die erneut von den Schachfreunden Berlin ausgerichtet wird. Diese Veranstaltung wird dann voraussichtlich auch wieder gemeinsam mit den Teams der Frauenbundesliga ausgetragen.

Für die Zeit nach diesem Termin gibt es bereits Interessenten, aber noch keine konkreten Beschlüsse. Ich bin aber recht optimistisch, dass wir auch weiterhin zentrale Runden anbieten können. Der große Zuspruch der Schachfans, die zum Teil von weither anreisen, bestärkt die Verantwortlichen des Schachbundesliga e.V. und der in ihm organisierten Vereine sehr, sich weiterhin für die Realisierung von zentralen Runden einzusetzen.

Nach Abschluss der letzten Saison hast Du Dich zufrieden mit der Endrundenorganisation durch die Schachfreunde Berlin gezeigt. Dennoch, „Luft nach oben“ gibt es immer und überall. Wenn du also einen Wunsch an die Organisatoren eines solchen Schachgroßereignisses frei hättest, was würdest Du Dir als Ligaverantwortlicher wünschen?

Markus Schäfer: Die Organisation war in der Tat hervorragend. Was mir persönlich ein wenig gefehlt hat, war die Einbeziehung des Kinder- und Jugendschachs. Diese Lücke wird in diesem Jahr geschlossen, und zwar mit der Teilnahme der Jugendbundesliga Nord, deren Teams zeitgleich und im selben Saal wie die 16 Mannschaften der 1. Schach-Bundesliga spielen. Zusätzlich richtet der Berliner Schachverband die Offenen Berliner Jugendschnellschachmeisterschaften aus, was hoffentlich noch viele weitere Nachwuchsspieler ins Hotel Maritim locken wird.

Mir schwebt immer vor, zentrale Runden mit einem vielfältigen Rahmenprogramm zu verbinden, das auch zum Mitmachen einlädt und unterschiedliche Aspekte des Schachspiels betont. Auch in diesem Sinne war die letztjährige Austragung bereits gelungen, und in diesem Jahr wird das Angebot sogar noch gesteigert. Als Beispiele seien die hervorragende Unterstützung durch den Berliner Schachverband sowie die Lasker-Konferenz genannt, für die die Emanuel Lasker Gesellschaft ein hochinteressantes Programm in Laskers 150. Geburtsjahr aufgelegt hat.

In anderen europäischen Schachnationen werden die Wettkämpfe der höchsten Ligen zentral und komprimiert durchgeführt. Eventcharakter statt regelmäßige Mühen der Ebene. Ist diese Entwicklung auch für Deutschland wünschenswert und durchsetzbar?

Markus Schäfer: In Deutschland haben wir seit Jahrzehnten ein durchdachtes und bestens organisiertes Ligensystem. Die höchste Spielklasse ist aus vielerlei Gründen gut beraten, Teil dieses Systems zu bleiben. Eine komprimierte Mannschaftsmeisterschaft ohne regelmäßigen Spielbetrieb halte ich ebenso wenig für wünschenswert wie eine durchgängig zentrale Ausrichtung aller Mannschaftskämpfe. Zentrale Runden haben sich als tolle Bereicherung erwiesen, aber wir müssen auch bedenken, dass die Austragung von Heimkämpfen für die allermeisten Vereine von größter Bedeutung ist, um sich vor Ort den Mitgliedern, Zuschauern, Medien und Geldgebern präsentieren zu können. Übrigens sollten wir auch darauf achten, dass der Mix aus Profis, Amateuren und Nachwuchsspielern gewahrt bleibt.

Bis vor wenigen Jahren hast Du selbst aktiv in das Bundesligageschehen für die SG Solingen am Brett eingegriffen, auch mit beachtlichen Ergebnissen. Das ist für einen hauptberuflich nicht dem Schach verpflichteten Funktionär sehr bemerkenswert. Juckt es Dich nicht in den Fingern, wenn Du den großen Festsaal im Berliner Hotel Maritim zur zentralen Endrunde gefüllt siehst oder werden wir Dich in Berlin vielleicht gar an einem der Bretter Deines Vereins sehen?

Markus Schäfer: Natürlich ist es sehr angenehm, unter solchen Top-Bedingungen zu spielen, was ja auch die vielen begeisterten Rückmeldungen nach der letzten Austragung zeigen. Hinzu kommt, dass sich nicht oft die Gelegenheit bietet, vor so großem Publikum zu spielen. Ich selbst bin in der laufenden Saison allerdings nicht im Kader der SG Solingen gemeldet und könnte der Mannschaft ohnehin nicht wirklich helfen. Wenn ich es zeitlich schaffe, nehme ich am Internationalen Blitzturnier teil, was mich ebenfalls sehr reizen würde.

Auf welches Ereignis im Rahmen der Zentralen Endrunde freust Du Dich besonders und gibt es hier eine besondere Spannungskurve?

Markus Schäfer: Auf einen spannenden Kampf um Meisterschaft und Klassenerhalt freue ich mich besonders, und auf die vielen interessanten und herausragenden Spieler und Partien. Insgeheim hoffe ich, dass die sportlichen Entscheidungen erst in der letzten Runde fallen, damit der Spannungsbogen bis zum Schluss erhalten bleibt. Aber auch die Rahmenveranstaltungen sind großartig, und es wird tatsächlich von morgens bis abends Schach in all seinen Facetten geboten. Ich werde versuchen, möglichst viele Anregungen mitzunehmen und freue mich sehr auf viele Besucherinnen und Besucher.